Stadtgeschichte
 
Überblick
Historische Stadtansicht von Oschatz Bodenfunde belegen, dass das Oschatzer Umland bereits seit der Jungsteinzeit besiedelt war. Von der "Schwedenschanze" in Altoschatz - Rosenthal, einer einstigen sorbischen Befestigung und frühdeutschen Burgwardanlage, ging die Stadtentwicklung aus. Der Ortsname O s c e c
( = Ozzec = Verhau ) wurde auf die östlich entstandene städtische Siedlung am Altmarkt und Kirchberg übertragen. Ende des 12. / Anfang des 13. Jahrhunderts entwickelte sich durch die Förderung der Meißner Markgrafen die frühstädtische Marktsiedlung zur mittelalterlichen Bürgerstadt. Die erste urkundliche Erwähnung ist vom Jahre 1238. Dem Fleiß seiner Tuchmacher und anderer Handwerker sowie dem regen Warenverkauf auf der Hohen Straße verdankt die Stadt eine wirtschaftliche Blüte im Spätmittelalter. In den folgenden Jahrhunderten wechseln Blüte und Wohlstand mit Zeiten bitterster Not und Entbehrungen durch Stadtbrände und Kriegswirrungen ab. Dem Fleiß und Optimismus der Bürger ist es von altersher zu verdanken, dass sie ihre Stadt immer wieder erbauten, entwickelten und zur Blüte brachten.
 
Zeitzeugen
Seit der ersten Stadterwähnung im Jahre 1238 erlebte Oschatz eine wechselvolle Geschichte. Jahre der Armut und des Leids, bedingt durch Kriege, Hungersnöte, Pest und Stadtbrände wechselten mit den Jahren des Wohlstandes und Frieden. Die günstige Lage der Stadt an der Hohen Straße führte zur Entwicklung des Fernhandels, der Ansiedlung von Kaufleuten, zur Herausbildung des Handwerkes und somit zur wirtschaftlichen Blüte. Bereits 1394 erhielt Oschatz das Privileg, Jahrmärkte abzuhalten. Das 600jährige Marktjubiläum wurde 1994 erfolgreich gefeiert. 1539 setzte sich auch in Oschatz die Reformation durch. Briefe von Luther, Melanchton und Spalatin, aufbewahrt im Ratsarchiv, sind Zeugen jenes bedeutenden geschichtlichen Ereignisses in Sachsen. In der Stadtschule wirkte der Komponist Magister Carl Gottlieb Hering. Zwei bekannte Kinderlieder entstammten seiner Feder: "Hopp, hopp, hopp, Pferdchen lauf Galopp" und "Morgen Kinder wird´s was geben". Der gut erhaltene historische Stadtkern bietet dem Besucher viel Interessantes und Sehenswertes. Schöne Bürgerhäuser im Renaissancestil umsäumen den Neumarkt, auf dem sich der vom Leipziger Steinmetz Gregor Richter 1589 geschaffene Marktbrunnen befindet. Das Rathaus, 1842 nach dem großen Stadtbrand unter Leitung des berühmten Dresdener Baumeisters Gottfried Semper wieder aufgebaut, hat einen prächtigen Renaissancegiebel. Das wertvollste Buch im Oschatzer Ratsarchiv ist der "Sachsenspiegel", ein mittelalterliches handschriftliches Rechtsbuch aus dem Jahre 1382. Weit sichtbar überragt die 75 m hohe doppeltürmige St. Aegidienkirche die Stadt. Beim letzten Stadtbrand zerstört, wurde sie nach Plänen des Nürnberger Baumeisters Prof. Heydeloff im neugotischen Stil wieder aufgebaut. Einmalig ist das kunstvolle, aus Buntglasmalerei, gefertigte Altarbild. Die Turmbesteigung ermöglicht nicht nur eine Besichtigung der Türmerwohnung, sondern auch einen weiten Blick über die Stadt und das schöne Oschatzer Land. Eines der ältesten Gebäude der Stadt ist die mittelalterliche Klosterkirche, das einzige erhalten gebliebene Bauwerk des ehemaligen Franziskanerklosters. Gegenüber befindet sich die Elisabeth-Kapelle mit ihrer interessanten Freskenmalerei. Reste der alten Stadtmauer mit Wehrgang und zwei Wachtürmen, die Amtsfronfeste und Ratsfronfeste sind Zeugen des mittelalterlichen Oschatz. Hier befindet sich das Oschatzer Museum. Die Folterkammer aus dem Jahre 1574 dokumentiert mit ihren Folterwerkzeugen die Gerichtsbarkeit jener Zeit. Einblick in das 18. Jahrhundert gibt die bürgerlich-bäuerliche Wohnkultur. Besonders sehenswert ist die in Sachsen einmalige Waagensammlung mit 100 Exponaten. Eine besondere Attraktion der Stadt ist die kleine Schmalspurdampfeisenbahn. Sie fährt noch immer als Wirtschafts- und Traditionsbahn (Güter und Personen) zwischen Oschatz und Mügeln und lockt viele Besucher in unsere Stadt. Oschatz ist mit seinen ca. 18.000 Einwohnern im Herzen Sachsens eine freundliche, interessante Stadt mit 15 Ortsteilen. Nicht nur der historische Stadtkern, auch der Stadtpark mit Tiergarten, die zahlreichen Gartenvereine und Grünanlagen, gediegene Gaststätten und zahlreiche Geschäfte laden zum Stadt- und Einkaufsbummel, zum Verweilen und Entspannen ein. Wander- und Radwege führen durch den Oschatzer Stadtwald, am Wüsten Schloß Osterland vorbei zum Collm (314 m) und Wermsdorfer Wald. Auch eine Fahrt in die nahegelegene (8 km) Dahlener Heide ist abwechslungsreich, erholsam und interessant.
 
Zeittafel

1200Urkundliche Ersterwähnung des Ortes durch den meißnischen Ministeralen Johannes de Ozzetz
1228Errichtung eines Klosters des Franziskanerordens
1238Urkundliche Ersterwähnung als Stadt (civitates Ozzechs et Grimme) durch den Margrafen Heinrich des Erlauchten von Meißen
1246Indulgenzbrief des Bischofs Conrad von Meißen, älteste Originalurkunde des Stadtarchivs
1248Bau der Klosterkirche
1266Älteste von der Stadt Oschatz ausgefertigte Urkunde mit einem Stadtsiegel
1297Erste urkundliche Erwähnung eines Bürgermeisters von Oschatz ( Heinricus dictus Sulzphennic, magister civium)
1344 / 1365Die Geharnischten, Städtebund zwischen Oschatz, Grimma und Torgau gegen das Räuberwesen
1365Ersterwähnung eines Schulmeisters
1377Ersterwähnung von Oschatz als "Vestung", Bau des Stadtwachturmes am heutigem Museum
1382Codex mittelalterlicher Rechtsbücher, Pergamenthandschrift, enthält eine Abschrift des Sachsenspiegels
1391Ältester Innungsbrief der Tuchmacher, deren Rechte bereits vor 1350 verbrieft und 1391 erneuert werden. Mit dem Einzug der flandrischen Tuchmacher entsteht das eigentliche städtische Leben in Oschatz.
1394Begnadigung der Stadt mit einem jährlichen Markt am St. Aegidiustag (1. September)
1429Plünderung, Verwüstung und Brandschatzungen der Stadt bei dem Ansturm der Hussiten
1451Innungsbrief der Schuhmacher; aus ihm geht hervor, dass Oschatz das Meilenrecht besitzt
1477Bau eines Rathauses am Neumarkt
1478Der Rat der Stadt erwirbt gegen jährliches Pachtgeld Ober- und Erbgerichte in der Stadt und in den Vorstädten vom Landesherrn Vorhandensein einer Röhrwasserleitung im Stadtbuch erwähnt Aus dem 15. Jh. stammen die Innungsbriefe der Schneider, Schuhmacher, Böttcher, Bäcker und Kirchner
1510Bau der Löwenapotheke durch Hironymus Ortheim
1537Anstellung des ersten Türmers für die Signalisierung bei Feuergefahr
1538-1546Bau des heutigen Rathauses
1539Einführung der Reformation Briefe von Luther, Melanchthon, Jonas uns Spalatin an den Rat und die Bürger
1540Der Rat erwarb die Jungfrauen- und die Knabenschule Gründung der Kantorei
1544Tuchmacherinnung erwirbt altes Rathaus (Kirchberg 1) als Handwerker- und Siegelhaus
1545Philipp Melanchthons Rast im "Gasthof zum Stern".
1566Pest sucht die Stadt heim und fordert 9OO Tote bei 3OOO Einwohnern
Im 16. Jh. entstehen Gerber- und Hutmacherinnung.
1589Bau des Marktbrunnens durch Gregor Richter
1616Stadtbrand, Vernichtung von 440 Häusern und Scheunen, nur 24 Häuser bleiben innerhalb der Ringmauer unversehrt
16283500 Einwohner, Oschatz ist 7.größte Stadt Sachsens
1631-16483Ojähriger Krieg: militärische Durchmärsche wechseln mit Einquartierungen, Kontributionen, Plünderungen und Gewalttaten an den Bürgern
Apotheke wird zweimal ausgeraubt
Durch Pest sterben ca. 2000 Einwohner, kaum 100 Familien überleben
1650Einwohnerzahl auf 1700 gesunken
1671Der Rat erlässt eine Armenordnung und richtet eine Almosenkasse ein
1680-1682Letzte Pest in Oschatz, 658 Personen, davon 231 Kinder sterben
1683Einrichtung einer Poststation
1724Errichtung steinerner Postdistanzsäulen vor dem Brüder-, Hospital- und Altoschatzer Tor
1760Während 7jährigem Krieg (1756-1763) Schlacht bei Oschatz
1769Verordnung über die Schulpflicht für Kinder vom 5. bis 14. Lebensjahr
1785Errichtung eines Brandversicherungscatastrums (Katasteramt), erstmalig werden Häuser mit Hausnummern versehen
1790Bauernunruhen und bewaffnete Aufstände im Meißner-Oschatzer Land
1795 - 1811Magister Carl Gottlieb Hering ist als Organist und Konrektor an der Stadtschule tätig, er ist bekannt durch folgende Kinderlieder: "Hopp, hopp, hopp Pferdchen, lauf Galopp"; "Morgen Kinder wird''s was geben"; "Kaffeekanon" und "Als Großvater die Großmutter nahm"
1801Herausgabe der ersten Zeitung, „Oschatzer Erzähler“
1813April: Aufenthalt Goethes im "Löwen".
1806 - 1813Napoleonische Fremdherrschaft; Truppenbewegung durch die Stadt, verbunden mit hohen Kontributionen
1815Durch Friedensschluss von Wien wird die Landes- und Zollgrenze 10 km von Oschatz entfernt in die Dahlener Heide gelegt. Diese willkürliche Veränderung der Wirtschaftsgebiete hat für Oschatz traurige Folgen
1818Oschatz wird Garnisonsstadt des ersten sächsischen Schützenbataillons
1828Einweihung der neuen Schule auf dem Kirchplatz
1830Volkserhebungen und Unruhen in Sachsen; in Oschatz kommt es Anfang Oktober zu Straßendemonstrationen und Bürgerversammlungen von Gesellen, Manufaktur- und Handarbeitern sowie Gewerbetreibenden, sie fordern mehr Rechte
1834Gründung der Filz- und Filzwarenfabrikation durch Ambrosius Marthaus
18383. November: Eröffnung des Bahnhofes Zschöllau / Oschatz.
1839Fertigstellung der Eisenbahnstrecke Leipzig - Dresden.
18427. September: Stadtbrand , über 300 Gebäude werden zerstört, 41 müssen niedergerissen werden
1844Gründung des Sparkassenvereins, Kassenbetrieb wird 1847 aufgenommen
1845Gründung der Waagenfabrik Gebrüder Pfitzer, es folgen 1872 Waagenfabrik Kopp & Haberland, 1922 Waagenfabrik Otto Bielig
1859Gründung der Firma Bieger als erste Wollwarenfabrik, es folgen 1862 Firma Nuster , 1893 Firma Franke
1863Dienstverpflichtung der Freiwilligen Feuerwehr
1867Oschatz wird Garnisonsstadt für das 1. Sächsischen Ulanenregiment Nr. 17.
1871Bildung des Königlichen Lehrerseminars; das Seminargebäude (heute Thomas-Mann-Gymnasium) wird 1874 eingeweiht
1873Bildung der Amthauptmannschaft Oschatz
1883Einweihung der neuen Bürgerschule ( heute Mittelschule)
1885Inbetriebnahme der Kleinbahnstrecke Oschatz - Mügeln
1888Inbetriebnahme des Wasserwerks
1890Erste Maifeier in Oschatz Gründung der Firma Kunststein- und Granitwerke in Zschöllau
1891Inbetriebnahme der Kleinbahnstrecke Oschatz - Strehla.
1895Bau des städtischen Krankenhauses am Stadtpark
1904Rosenschule der Firma Viktor Guericke gegründet (heute Baum- und Rosenschule Müller)
1928Der Verein für Orts- und Volkskunde erhält in der "Alten Wache" (heute Sparkasse) Räume zur Ausstellung der inzwischen reichhaltigen Sammlung als "Oschatzer Heimatmuseum"
1934Eingemeindung von Zschöllau.
1935Bau des Fliegerhorstes und Bildung einer Wehrkreisremonteschule
1939-1945Oschatz bleibt von Kriegszerstörungen weitgehend verschont; durch eine Bürgerinitiative wird eine kampflose Übergabe der Stadt am 27. April 1945 an die Amerikaner erwirkt, die 05. Mai von sowjetischen Truppen abgelöst werden
1950Eingemeindung von Altoschatz (mit Kleinforst und Rosenthal) und Striesa
1964Städtepartnerschaft mit Venissieux, Frankreich
1969Inbetriebnahme des Glasseidenwerkes
1967-1987Wohnungsbau in Oschatz-West in drei Bauabschnitten
1973Eingemeindung von Merkwitz, Lonnewitz (mit Rechau und Zöschau), Schmorkau (mit Mannschatz) und Thalheim (mit Saalhausen und Kreischa)
197918804 Einwohner
1982Eröffnung des Oschatzer Waagenmuseums
1988750-Jahr-Feier
Städtepartnerschaft mit Trebic (CSSR)
1989Eröffnung des Heimattiergartens
1990

Erster frei gewählter Stadtrat nach dem Ende der DDR
Oschatz hat 19392 Einwohner
Städtepartnerschaft mit Blomberg und Filderstadt

1991

Abzug der GUS-Truppen aus dem Fliegerhorst
Beginn umfangreicher Sanierungsarbeiten durch die Aufnahme der Stadt ins Programm „Stadtsanierung und städtebaulicher Denkmalschutz“

1992Auszeichnung der Stadt durch das Bundesbauministerium für vorbildliche Stadtsanierung
Beginn mit großflächigem Wohnungsbau in Oschatz Nord-West und ab 1995 im Fliegerhorst
1994Mit der Bildung des Kreises Torgau-Oschatz verliert die Stadt den Status einer Kreisstadt
Eingemeindung von Limbach (mit Leuben)
1997Oschatz wird Große Kreisstadt
1998Einweihung des Krankenhauserweiterungsbaus „Collmklinik“
Eröffnung des Freizeit- und Erlebnisbades „Platsch“
1999Wiedereröffnung des „Gasthauses zum Schwan“ nach 10jähriger Schließung und Sanierung
Abriss der Kaserne in der Dresdener Straße (ehem. Ulanenkaserne) abgeschlossen
2000800jähriges Ortsjubiläum
Finanzamt wird in Oschatz ansässig
Städtepartnerschaft mit Starogard Gdanski (Polen)
2001Sanierung des Neumarkts mit Brunnen
2002/2003Umgestaltung des Altmarkts
2003/2004Abriss des Gasthauses „Thomas-Müntzer-Haus“ und Beginn der Komlexsanierung
2004Abschluss der Rekonstruktion des Rathauses
2005Erste Blöcke in Oschatz-West im Rahmen des Programms "Stadtumbau Ost" abgerissen
2006

Wiedereröffnung "Thomas-Müntzer-Haus"
4. Sächsische Landesgartenschau "Oschatz - Hier blüht Sachsen"